Hamburg
Hamburg, Germany

Elektrische Widerstandsmessung (VES) in Hamburg: Baugrund sondieren ohne graben

Mit 53,55° nördlicher Breite liegt Hamburg auf einer geologischen Schwelle zwischen Geest und Marsch, was den Untergrund zu einem Flickenteppich aus Sand, Klei, Torf und Schmelzwassersedimenten macht. Bei über 1,8 Millionen Einwohnern und einem der größten Hafenausbauprojekte Europas entstehen hier regelmäßig Bauvorhaben auf äußerst heterogenem Boden. Genau hier greift die Vertikale Elektrische Sondierung (VES): Sie kartiert Schichtgrenzen und Grundwasserleiter zerstörungsfrei, indem sie den scheinbaren spezifischen elektrischen Widerstand des Untergrunds misst. In der feuchten, salzhaltigen Luft der Elbmetropole sind Kontrastmessungen zwischen Süßwasser und salinaren Zuflüssen besonders aussagekräftig. Ein Verfahren, das ohne Bohrung auskommt, aber vor der Tiefgründung Klarheit schafft. Ergänzend zur Sondierung setzen wir bei rolligen Böden nahe der Elbe die Korngrößenanalyse ein, um die Durchlässigkeit der Schichten präzise zu bestimmen.

Der elektrische Widerstand des Hamburger Baugrunds verrät Korngröße und Wasserchemie, bevor der erste Bagger anrollt.

Arbeitsumfang in Hamburg

Das Messgerät vor Ort ist kompakt, aber leistungsfähig: eine Wenner- oder Schlumberger-Elektrodenanordnung mit vier Edelstahlspießen, die in Linie in den feuchten Hamburger Boden gesteckt werden. Ein batteriebetriebenes Geoelektrik-Modul sendet einen definierten Gleichstrom durch die äußeren Elektroden, während die Potenzialdifferenz innen gemessen wird. Bei maximalen Auslagen von 100 bis 200 Metern, wie sie auf den großen Hafenkonversionsflächen in Wilhelmsburg nötig sind, erreichen wir Tiefen bis 30 Meter. Die Messwerte werden in Echtzeit gegen die Geometrie der Anordnung verrechnet, und die resultierende scheinbare Widerstandskurve zeigt sofort, ob eine tonige Schlickschicht oder ein sandiger Grundwasserleiter vorliegt. Für tiefere Aufschlüsse kombinieren wir die VES mit dem CPT-Versuch, der die Spitzendruckprofile lückenlos erfasst und die geoelektrische Interpretation absichert.
Elektrische Widerstandsmessung (VES) in Hamburg: Baugrund sondieren ohne graben
Elektrische Widerstandsmessung (VES) in Hamburg: Baugrund sondieren ohne graben
ParameterTypischer Wert
MessprinzipGleichstrom-Geoelektrik, 4-Punkt-Anordnung (Wenner/Schlumberger)
Maximale ErkundungstiefeBis 30 % der Gesamtauslage, typisch 30 m bei 100 m Profillänge
AuflösungsvermögenVertikal 0,5 m in oberflächennahen Schichten; lateral abhängig vom Elektrodenabstand
Normative GrundlageDIN EN 1997-2:2010-10, ergänzend DGEG-Richtlinie Geoelektrik
Messbereich0,1 Ωm (Ton, salzhaltig) bis >10.000 Ωm (trockener Sand, Fels)
Datenauswertung1D-Schichtmodell-Inversion mit IPI2Win oder Res2DInv; Darstellung als Sondierungskurve und Profilschnitt
EinsatzgrenzenNicht anwendbar bei durchgehender Asphalt-/Betondecke ohne Kontaktspieße; Kopplung bei sehr trockenem Sand eingeschränkt

Risiken und Überlegungen in Hamburg

Ein aktuelles Projekt in der HafenCity: Auf einem ehemaligen Werftgelände sollte ein achtgeschossiges Bürogebäude mit Tiefgarage entstehen. Der Baugrund galt als 'ausreichend erkundet' durch zwei Altbohrungen. Die VES-Sondierung zeigte jedoch in 14 Meter Tiefe einen abrupten Widerstandssprung, der auf eine gespannte Salz-/Süßwassergrenze hindeutete. Eine nachfolgende Kernbohrung bestätigte: feiner Sand mit artesisch gespanntem Grundwasser. Ohne die flächenhafte Geoelektrik hätte die Baugrube ein unkontrolliertes hydraulisches Fenster geöffnet. Die Verantwortung des Baugrundgutachters liegt darin, solche verborgenen Stockwerksbau-Störungen vor Baubeginn zu detektieren. Besonders im Hamburger Raum, wo die quartären Rinnen oft mit wasserführenden Sandlinsen durchzogen sind, ist die vertikale Sondierung den reinen Punktaufschlüssen überlegen.

Benötigen Sie eine geotechnische Bewertung?

Antwort innerhalb von 24h.

Anwendbare Normen: DIN EN 1997-2:2010-10 (Eurocode 7, Geotechnische Erkundung und Untersuchung), DIN 4020:2010-12 (Geotechnische Untersuchungen für bautechnische Zwecke), DGEG-Richtlinie 'Geoelektrische Messungen in der Geotechnik' (2019), DIN EN ISO 22475-1:2019 (Probenentnahme und Grundwassermessungen)

Unsere Leistungen

Unser geoelektrisches Leistungsspektrum für Hamburg und das Umland umfasst verschiedene Messkonfigurationen und Auswerteverfahren:

VES-Punktmessung nach Schlumberger

Klassische Tiefensondierung mit schrittweise vergrößertem Elektrodenabstand. Ideal zur Schichtgrenzenerkundung und Grundwassererkundung auf beengten Grundstücken in Eimsbüttel oder Eppendorf.

Electrical Resistivity Tomography (ERT)

Mehrkanal-Profilmessung für 2D-Widerstandsbilder. Wir setzen sie auf Trassen der Hamburger Hochbahn oder in Deichverteidigungsprojekten ein, um laterale Inhomogenitäten präzise zu erfassen.

Grundwasser-Monitoring mit Geoelektrik

Wiederholungsmessungen zur Überwachung von Salz-/Süßwassergrenzen im Einflussbereich der Tideelbe, kombiniert mit Leitfähigkeitslogs aus Pegeln.

Baugrund- und Altlastenprognose

Kartierung von Auffüllungen, Torflinsen und Verdachtsflächen über den spezifischen Widerstand. Ein unverzichtbares Werkzeug für die Baugrundmodellierung nach HOAI 2021.

Häufig gestellte Fragen

Welche Normen und Regelwerke gelten für geoelektrische Messungen im Baugrund?

In Deutschland sind elektrische Widerstandsmessungen im Baugrund nach DIN EN 1997-2:2010-10 durchzuführen, die die geotechnische Erkundung regelt. Ergänzend ist die DIN 4020:2010-12 für geotechnische Untersuchungen heranzuziehen. Für die fachgerechte Durchführung und Auswertung orientieren wir uns zusätzlich an der DGEG-Richtlinie «Geoelektrische Messungen in der Geotechnik» von 2019.

Wie tief kann eine VES in Hamburg realistisch erkunden?

Die Erkundungstiefe hängt direkt von der maximalen Auslage der Elektroden ab. In Hamburg, wo die quartären Lockersedimente selten tiefer als 30 Meter reichen, arbeiten wir meist mit Auslagen zwischen 80 und 120 Metern, was Tiefen von etwa 25 bis 35 Metern erschließt. Bei beengten Platzverhältnissen – etwa im innerstädtischen Bereich – stoßen wir mit 50 Metern Auslage an die Grenze und erreichen dann zirka 15 Meter Tiefe.

Was kostet eine geoelektrische Sondierung in Hamburg?

Eine VES-Punktmessung mit bis zu 100 Metern Auslage, inklusive Einmessung, Dateninversion und Kurzbericht, liegt in Hamburg je nach Aufwand zwischen €580 und €930. Der Preis variiert mit der Zugänglichkeit des Geländes und der Anzahl der Sondierungspunkte.

Abdeckung in Hamburg