Die Baugrundverhältnisse Hamburgs sind ein Zweiklang aus harten Geestkernen und weichen Elbmarschen – und dieser Kontrast entscheidet bei Erdbeben über die Standsicherheit. Die DIN EN 1998-1/NA mit dem nationalen Anhang für Deutschland stuft den norddeutschen Raum zwar nicht als Hochrisikozone ein, doch § 16 BauGB und die Hamburger Bauordnung verlangen für Sonderbauten und kritische Infrastruktur einen Nachweis der seismischen Einwirkung. In unserer täglichen Arbeit in Hammerbrook und der HafenCity sehen wir, dass die weichen Klei- und Torflinsen selbst bei Fernbeben aus dem Vogtland oder der Niederrheinischen Bucht eine unerwartete Resonanz entwickeln. Eine belastbare seismische Mikrozonierung ist hier kein akademischer Luxus, sondern die Basis jeder realistischen Bemessung. Wir kombinieren dabei die klassische CPT-Sondierung mit geophysikalischen Profilen, um den Schichtaufbau lückenlos zu erfassen.
In Hamburgs Marschen kann die seismische Bodenantwort selbst bei schwachen Fernbeben um den Faktor 4 gegenüber dem Felsreferenzwert verstärkt werden.
Arbeitsumfang in Hamburg

Risiken und Überlegungen in Hamburg
Ein zehnstöckiges Bürohaus am Brooktorhafen, tief gegründet auf Pfählen. Die Baugrunduntersuchung vor Ort zeigte eine 14 Meter mächtige Kleischicht, die in den ersten dynamischen Berechnungen eine Verstärkung im Periodenbereich von 0,8 bis 1,2 Sekunden lieferte – exakt die Eigenperiode des geplanten Stahlbetonbaus. Ohne standortspezifische Mikrozonierung hätte der Tragwerksplaner mit dem Standard-Antwortspektrum für Baugrundklasse C gearbeitet und die Resonanzkatastrophe wäre unentdeckt geblieben. Die Überarbeitung des Spektrums und die Anpassung der statischen Aussteifung waren die direkte Konsequenz aus unseren Messungen. In Hamburgs Speicherstadt und entlang der Elbe wiederholt sich dieses Muster: weiche Deckschichten über pleistozänen Sanden, die bei dynamischer Belastung ein kritisches Impedanzkontrast-Paar bilden.
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Unsere Leistungen
Unsere seismische Mikrozonierung für Hamburg umfasst die gesamte Kette vom Feldversuch bis zum Bemessungsspektrum. Wir liefern nicht nur Zahlen, sondern ein eingabefähiges Modell für den Tragwerksplaner.
Vs30-Kartierung und Standortklassifizierung
Ermittlung der Scherwellengeschwindigkeit bis 30 m Tiefe mittels aktiver und passiver MASW. Klassifikation nach DIN EN 1998-1 Tabelle NA.4. In den Elbmarschen oft Klasse D oder E.
1D- und 2D-Standortantwortanalyse
Nichtlineare und linear-äquivalente Berechnung der Bodenantwort mit DEEPSOIL oder PLAXIS. Inklusive Sensitivitätsanalyse für variierende Grundwasserstände, wie sie im Hamburger Hafenbereich saisonal auftreten.
Seismische Gefährdungsbeurteilung nach KTA 2201.4
Spezifische Analysen für kerntechnische Anlagen und Forschungsreaktoren im Großraum Hamburg. Ableitung standortspezifischer Bemessungsspektren auf Basis probabilistischer Gefährdungsmodelle.
Häufig gestellte Fragen
Warum reicht die Karte der Erdbebenzonen für Hamburg nicht aus?
Die offizielle Karte zur DIN 4149 weist für Hamburg eine geringe Seismizität aus. Das sagt aber nichts über die lokale Verstärkung durch weiche Böden. Ein Standort in der HafenCity auf 15 m Klei kann ein komplett anderes Antwortspektrum haben als ein Standort in Harvestehude auf Geschiebemergel. Die Mikrozonierung deckt diesen Unterschied auf, der für die Bemessung von Hochhäusern oder Brücken entscheidend ist.
Mit welchen Kosten muss ich für eine seismische Mikrozonierung in Hamburg rechnen?
Für eine standortspezifische Analyse mit MASW, CPT und 1D-Bodenantwortmodellierung in Hamburg liegen die Kosten je nach Umfang und Tiefe zwischen €3.600 und €13.230. Der Preis hängt stark von der Anzahl der Messprofile, der erforderlichen Bohrtiefe und der Komplexität der nichtlinearen Berechnungen ab.
Kann die seismische Mikrozonierung mit dem regulären Bodengutachten kombiniert werden?
Ja, das ist sogar der effizienteste Weg. Wir nutzen die Aufschlüsse und Sondierungen aus dem Baugrundgutachten und ergänzen sie gezielt mit geophysikalischen Profilen. So entsteht ein kohärentes Untergrundmodell, das sowohl die statischen als auch die dynamischen Kenngrößen für die Standsicherheit liefert.